Vertreter aus Politik und Projektbeteiligten stehen vor der neuen Methanisierunsanlage

Biogas statt Erdgas: Anlage in Sindelfingen nimmt Betrieb für mehr Energiesouveränität auf

Mit der Inbetriebnahme der Methanisierungsanlage in Sindelfingen ist ein zentraler Baustein der regionalen Energie- und Abfallstrategie vollendet – ein Leuchtturmprojekt für Kreislaufwirtschaft und Versorgungssicherheit.

Zwei Wochen nach dem Start der Vergärungsanlage in Leonberg greifen nun beide Anlagen ineinander und machen aus Bioabfällen klimafreundliche Energie für die Region. Landrat Roland Bernhard betont, dass das Projekt die Region unabhängiger von Energieimporten macht: Angesichts steigender Preise für Flüssiggas durch den Iran-Konflikt zeige das Vorhaben, wie lokale Kreislaufwirtschaft Energiesouveränität sichern kann.

Die Anlage bereitet das in Leonberg erzeugte Rohbiogas zu hochwertigem Biomethan auf. Über eine 3,3 Kilometer lange Leitung gelangt das Gas nach Sindelfingen, wo es mithilfe moderner Membrantechnologie auf über 97 Prozent Reinheit veredelt und ins öffentliche Gasnetz eingespeist wird. Jährlich werden so rund 40.000 Megawattstunden grüne Energie erzeugt. Das bei der Trennung anfallende Kohlenstoffdioxid (CO2) wird verflüssigt und als Wertstoff in Lebensmittelqualität vermarktet – rund 5.000 Tonnen pro Jahr.

Energie aus der Region für die Region

Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Bioabfälle aus den Landkreisen Böblingen und Esslingen vor Ort verarbeitet und direkt in Energie umgewandelt werden. Für Sindelfingen entwickelt sich die Dachsklinge damit zunehmend zu einem Zentrum für erneuerbare Energien. Neben den bereits bestehenden Photovoltaikanlagen ist an der sogenannten Energiedrehscheibe Nord künftig auch ein Biomasseheizwerk geplant, das die Wärmewende auf klimafreundliche Weise weiter voranbringen soll. Dr. Karl Peter Hoffmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Sindelfingen, unterstreicht den praktischen Nutzen: Das Biomethan ersetzt fossiles Erdgas im Sindelfinger Netz und dient der klimafreundlichen Fernwärmeerzeugung. Das steigert den Anteil erneuerbarer Energien deutlich, wodurch in Folge die Abhängigkeit von Erdgas reduziert wird. Ein verheerender Brand der Vergärungsanlage in Leonberg 2019 stellte das Projekt zunächst vor große Herausforderungen. Heute präsentieren sich beide Anlagen nicht nur wiederaufgebaut, sondern technisch deutlich leistungsfähiger. Das Projekt ist damit ein Beispiel dafür, wie durch Ingenieurskunst und regionale Zusammenarbeit ein Rückschlag in eine Chance für Innovation und Energiesouveränität verwandelt werden kann.

Innovatives Zusammenspiel von Technologien

Auch auf Landesebene gilt das Projekt als Vorbild. Dr. Andre Baumann, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft, hebt die Einzigartigkeit und das innovative Zusammenspiel hervor: „Die Kombination aus Bioabfallvergärung, Biomethanaufbereitung und CO2-Verflüssigung ist in dieser Form einzigartig im Land. Hier zeigt sich, was möglich ist, wenn Städte, Landkreise und Stadtwerke gemeinsam an einem Strang ziehen. Das Land hat dieses innovative Vorhaben, bei dem der Atmosphäre klimaschädliche Gase entzogen und diese genutzt werden, gerne mit 960.000 Euro für die innovative CO2-Abscheidung unterstützt. Diese Anlage ist ein echter Leuchtturm für die zirkuläre Wirtschaft und eine Blaupause für die Industrie von morgen."

Investition in Klimaschutz und Zukunft

Die Methanisierungsanlage kostet knapp 8,0 Mio. Euro inklusive der Gasleitung und der CO2-Abscheidung. Sie ist Teil eines interkommunalen Verbundprojekts der Landkreise Böblingen und Esslingen und der Stadt Sindelfingen. Die Gesamtinvestition für Vergärungsanlage und Biogasaufbereitung beläuft sich auf rund 54 Millionen Euro. 

Beide Anlagen zusammen sparen jährlich rund 18.000 Tonnen CO2 ein – das entspricht dem Jahres-Fußabdruck von etwa 1.600 Menschen.

Wer mehr über die Funktionsweise der Anlage erfahren möchte, findet hier weitere Informationen:
Informationsblatt zur Regionalen Kreislaufwirtschaft in Leonberg und Sindelfingen

Auch das SWR-Fernsehen war vor Ort! Ein kurzer Bericht über die neu eröffnete Anlage ist unter folgendem Link ab Minute 3:34 zu finden:
https://www.ardmediathek.de/video/swr-aktuell-baden-wuerttemberg/sendung-18-00-uhr-vom-12-3-2026/swr-bw/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIzMDY4ODg

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